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Kitesurfen

 

 

Begriffserklärung

 

Diese relativ junge Trendsportart hat sich aus dem Powerkiten heraus entwickelt. Beim Kitesurfen – auch Kiteboarden oder Lenkdrachensegeln genannt -  steht man auf einem Board, ähnlich einem kleinen Surfbrett oder Wakeboard und wird von einem Kite (engl. für Lenkdrachen) auf dem Wasser gezogen.  

 

Derzeit gibt es weltweit ca. 500.000 aktive Kitesurfer – Tendenz stark steigend. Der Grund hierfür liegt einerseits in der relativ kostengünstigen und kompakten Ausrüstung im Vergleich zum Windsurfen,  andererseits in der leichten Erlernbarkeit sowie der Vielfalt an Fahrtechniken bzw. spektakulär hohen und lang andauernden Sprüngen.

 

In den letzten Jahren hat sich eine Menge in punkto Ausrüstung getan. Während früher kurze Surfboards verwendet wurden, haben sich mittlerweile eher speziell entwickelte Kiteboards  durchgesetzt, sog. „Bidirectionals“. Diese haben den Vorteil, dass sie ohne umzusteigen in beide Richtungen zu fahren sind.  Aber auch das Angebot an Kites änderte sich. So werden heute zumeist Tubekites, Bowkites oder Mattenkites geflogen. Ein wichtiger Aspekt ist, dass Hersteller mittlerweile ein deutliches Augenmerk auf Sicherheitssysteme verwendeten und weiter hieran arbeiten. Experten raten daher von Kite- und Bar-Systemen ab, die vor 2006 erschienen sind.     
  

Inhaltsverzeichnis

    1 Geschichte

    2 Ausrüstung

        2.1 Das Board

            2.1.1 Twin Tips

            2.1.2 Directional Boards

            2.1.3 Mutant-Boards

        2.2 Bar, Steuerungs- und Sicherheitsleinen

            2.2.1 4-Leiner

            2.2.2 5-Leiner

            2.2.3 2-Leiner

        2.3 Kite

            2.3.1 Softkites

            2.3.2 Tubekites

                2.3.2.1 C-Kites

                2.3.2.2 Bow-Kites

                2.3.2.3 Hybrid-Kites

                2.3.2.4 Delta-Kites

        2.4 Weitere Ausrüstungsgegenstände

            2.4.1 Trapez

                2.4.1.1 Hüfttrapez

                2.4.1.2 Sitztrapez

                2.4.1.3 Sitz-Hüfttrapez

                2.4.1.4 Boardleash

                2.4.1.5 Helm

                2.4.1.6 Prallschutzweste

                2.4.1.5 Schuhe

                2.4.1.5 Sonnenbrille

    3 Manöver

        3.1 Starten

            3.1.1 Strandstart

            3.1.2 Wasserstart

        3.2 Steuern

        3.3 Springen

    4 Revier- und Stationsfinder

    5 Kitesurfen lernen

6 Kite ABC

    7 Sicherheitsmaßnahmen

        7.1 Kitesurfrevier

        7.2 Wind & Wetter

        7.3 Ausrüstung

        7.4 Verhaltensregeln

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Geschichte

Anfang des 19. Jahrhunderts wollte der Engländer George Pocock mit großen Lenkdrachen Kutschen und kleine Boote antreiben und verwendete  dabei  bereits ein 4- Leinen-System, das technisch dem heutigen Kite-Surfen stark ähnelt. Er wollte hiermit eine Alternative zum Pferdeantrieb schaffen, und so die seinerzeit übliche „Pferdesteuer“ umgehen. 1903 erfand der Luftfahrtpionier Samuel Franklin Cody den ersten menschentragenden „Cody-Drachen“, Den Beweis trat er an, indem er in einem von seinem Drachen gezogenen Boot den Ärmelkanal überquerte.  Francis M. Rogallo entwickelte wenig später den „Delta-Drachen“. Dieser bietet bereits ein hohes Maß an Steuerbarkeit und Gleitverhalten. 
Sportlenkdrachen setzen noch heute auf dieser Technologie auf.     

Im Jahre 1977 schließlich lässt Gijsbertus Adrianus das erste Kite zum Patent anmelden. Als erster Kite-Surfer lässt er sich auf einem Surfboard mit einem trapezähnlichen Gurt übers Wasser ziehen. Wenig später legte die Entwicklung von  reißfesten Aramid- und Polyethylenfasern  den Grundstein der Kites . Der Deutsche Dieter Strasilla baute ein Segelsystem namens „Skywing“, das seine Dienste auf Land, im Wasser und auf Schnee unter Beweis stellte und Springen, Fliegen oder Gleiten ermöglichte. Der erste „Tubekite“ wird Anfang der 1980er Jahre von den Brüdern Bruno und Dominique Legaignoux entwickelt. Hierbei handelt es sich um einen aufblasbaren Lenkdrachen.  1997 brachten sie schließlich den WIPIKA-Tubekite auf den Markt. Dieser ist mit aufblasbaren Luftkammern bzw. –schläuchen versehen und daher auch aus dem Wasser heraus bei voll ausgelegten Leinen relativ leicht startbar. Hiermit wird die Geburtsstunde des modernen Kite-Surfens geschrieben. Die ersten Kite-Surfschulen wurden gegründet und der erste Wettbewerb fand im Jahr 1998 statt - Sieger war der Amerikaner Flash Austin.  

Der endgültige Durchbruch in Deutschland wird im Jahre 2000 erreicht, als der Verband Deutscher Windsurf- und Wassersportschulen, kurz VDWS gegründet wurde und ein Ausbildungskonzept für Kite-Surflehrer schaffte.  Im Bereich der Kite-Boards waren bis 2001 die den Windsurfbrettern ähnlichen Directional-Boards dominant, die sodann mehr und mehr von Wakeboards ähnlichen Twin Tips abgelöst wurden. 2001 wurde die Marke North Kiteboarding ins Leben gerufen und stieg mit ihren 5-Line-Kites sowie modernen Designs zu einem der international führenden Kitehersteller auf.    

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Ausrüstung

 

Zu den drei wichtigsten Ausrüstungsgegenständen zählen das Board, die Bar mit den Steuerungs- und Sicherheitsleinen sowie der Kite. Bauart und Größe richten sich jeweils nach Körpergewicht, Könnenstufe und unterschiedlichen Windstärken.

 

Board

Generell unterscheidet man drei verschiedene Arten von Boards:

  • Twin Tips

Auch Bidies genannt, sind Bidirectionals. D.h. das Board lässt sich in beide Richtungen fahren, ein Richtungswechsel ist entsprechend ohne Fuß- oder Bugwechsel möglich. Übliche Boardlängen werden zwischen 120 cm und 180 cm angeboten. Twin Tips sind mittlerweile die am weitesten verbreiteten Boards. Sie sind für Einsteiger bis hin zum erfahrenen Kiter erhältlich. Twin Tips gibt es mit Fußschlaufen oder mit festen Bindungen.

 

  • Directional Boards

Diese Boards waren die ersten auf dem Markt. Da sie am Heck über keinerlei Finnen verfügen und nach vorne zum Bug spitz zulaufen, können Directional Boards nur in eine Richtung fahren. Sie werden auch Waveboards genannt, da sie sich aufgrund ihrer Surfbrett-ähnlichen Form insbesondere für Kitesurfen auf Wellen eignen. Diese Boards ssind ideal für Einsteiger und Fortgeschrittene.  

 

  • Mutant Boards

Hierbei handelt es sich um eine Mischung aus Twin Tips und Directional Boards. Der Bug ist klar vom Heck zu unterscheiden, wobei am Bug zwei Finnen angebracht sind. Somit kann das Kiteboard wiederum wie ein Twin Tip in beide Richtungen gefahren werden.  Mutant Boards verfügen über zwei Fußschlaufen.

 

Hiervon abgesehen gibt es noch Raceboards, die sich aufgrund ihrer Bauweise zum sehr schnellen Fahren auf flachem Wasser eignen und Foilboards. Letzt genannte werden aufgrund ihres geringen Wasserwiderstandes vor allem für Leichtwind oder auch für Rennen verwendet.   

 

Bar, Steuerungs- und Sicherheitsleinen

Zum Zwecke der Richtungssteuerung und der Kraftentwicklung verbindet die Bar den Kitesurfer über 20 – 30 m lange Steuerungs- und Sicherungsleinen mit dem Kite. Mittlerweile gibt es Sicherungsmechanismen  bei Gefahren oder Kontrollverlust, den Schirm zu trennen. Beim sog. „Quickrelease“ stürzt der Kite auf das Wasser, bleibt aber noch mit dem Trapez verbunden, sodass der Kite nicht verloren geht. Wird ein „Safetyleash“  ausgelöst, wird der Kitesurfer vollständig vom Kite getrennt.     

Man unterscheidet generell drei Bar-Systeme aufgrund einer unterschiedlichen Anzahl von Leinen:

  • 4-Leiner

Zwei Leinen werden in der Mitte zur Depower-Leine zusammengeführt und am Trapezhaken befestigt. Sie dienen der Übertragung der Zugkräfte. Die beiden anderen Leinen werden an den seitlichen Enden der Bar befestigt und ermöglichen ein Lenken oder Anbremsen.

 

  • 5-Leiner

Die trimmbare fünfte Leine ist an der Vorderkante der Fronttube des Kites befestigt. Sie dient der Stabilisierung des Drachenprofils und hilft außerdem beim Start aus dem Wasser, den Drachen in eine günstige Position zu bringen.

 

  • 2-Leiner

Hierbei handelt es sich um ein älteres Modell, das nur noch gelegentlich in Anfängerschulungen eingesetzt wird. Es lässt nur eine eingeschränkte Depower zu, der Schirm hängt bei Loslassen der Bar nur noch an der Sicherheitsleine.      

 

Kite

Abgesehen von mehreren Kite-Ausführungen ist die Größe des Schirms entscheidend. Diese liegt im Normalfall zwischen 9 und 12 m², wobei stärkere Winde kleinere Schirme bedingen, um Überbelastungen zu vermeiden. V.a. für Anfänger eignen sich kleinere Drachen. Generell ist zu beachten, dass eine Verdoppelung der Windgeschwindigkeit eine Vervierfachung der Kräfte im Kite nach sich zieht. Zur Reduzierung dieser auftretenden Kräfte verfügen neuere Schirme über eine sog. „Depower“. Dadurch wird der Winkel der Anströmkante des Drachens zum Wind reduziert und es fängt sich weniger Wind im Drachen, sodass der Zug abnimmt.

Die gängigsten Ausführungen sind Softkites und Tubekites:

  • Softkites

Sie erhalten ihre Form und Stabilität durch mehrere, einseitig geschlossene Luftkammern. Durch diese dringt die Luft mittels Lufteinlassventilen ein und wird sodann zwischen zwei Tuchschichten gespeichert. Die Ventile ermöglichen ein Eindringend der Luft, aber verhindern ein Entweichen. Für Stabilität sorgt eine Vielzahl von Waageleinen, die an der Anströmkante befestigt werden.  Softkites sind nur für erfahrene Kitesurfer zu empfehlen, da sich die Form des Drachens und somit seine Flugeigenschaften abhängig vom Zug an den Leinen ändern.

 

  • Tubekites

Anders als Softkites verfügen Tubekites über mehrere Luftschläuche. Hierbei gibt der Frontschlauch (Fronttube) dem Schirm die Form und mehrere Querschläuche (Struts) sorgen für Stabilität der Segelfläche. Luftkammern werden mit etwa 0,4 – 0,6 bar aufgepumpt und verhindern so das Versinken des Schirms nach einer Wasserlandung bzw. erleichtern einen Wasserstart. Bei Tubekites werden wiederum vier Varianten unterschieden:

 

  • C-Kite

Die C-förmig gebogene Schirmform führt zu einer kleineren Oberfläche, die wiederum weniger Wind fangen kann.  Der C-Kite ist mittels vier Leinen jeweils an den Ecken des Schirms befestigt.  Im Gegensatz zu anderen Tubekites fehlen Waageleinen (bridles) an der Anströmkante, was zu einer geringeren Depower bzw. einer stärkeren Zugkraft auf die Bar führt. Dieser Umstand vermittelt dem Kiter ein sehr direktes Fahrgefühl. Optional kann mit einer fünften Leine das Starten aus dem Wasser erleichtert werden. Der C-Kite wird vornehmlich von guten Wakestyle- und Freestyle-Fahrern verwendet. Der Schirm muss ins richtige Windfenster gesteuert werden, um die erwünschten Kräfte zu erreichen.

 

  • Bow-Kite

Aufgrund seiner Form und Flugeigenschaften wird der Bow-Kite hauptsächlich bei Anfängern und zumeist auch bei Kursen verwendet. Der „Bogenschirm“ verfügt über Waageschnüre mit diversen Anknüpfpunkten am Drachen, somit kann man durch ein Wegschieben der Bar den Anstellwinkel des Drachens zum Wind  bis nahezu 100% Depower verstellen. D.h. der Kite zieht den Surfer nicht mehr unvermittelt nach Lee. Ein Nachteil gegenüber C-Kites besteht in einem indirekten Fluggefühl, was besonders im fortgeschrittenen Freestyle-Bereich wichtig ist. 

 

  • Hybrid-Kite

Hierbei handelt es sich um eine Mischung aus C-Kites und Bow-Kites. Die Fronttube wird wie bei Bow-Kites durch Waageleinen an mehreren Anknüpfungspunkten des Drachens stabilisiert, wodurch sich ein hohes Depower-Potential ergibt. Die Steuerleinen sind jedoch zumeist wie bei C-Kites direkt am Drachen angeknüpft, um ein direkteres Flug- und Lenkgefühl sowie geringere Kräfte an der Bar zu erzeugen. Hybrid-Kites werden daher vorrangig von fortgeschrittenen Fahrern genutzt.

 

  • Delta-Kite

Als Weiterentwicklung der Bow-Kites bieten sie nahezu 100% Depower, was sie sehr sicher macht. Sie verfügen ebenfalls über Waageleinen, wodurch der Kite in einen steileren Anstellwinkel zum Wind gestellt werden kann und dadurch für Einsteiger leichter zu fliegen bzw. aus dem Wasser zu starten ist. Sobald sie auf dem Wasser liegen, treiben sie an den Windfensterrand und lassen sich durch Ziehen der entsprechenden Steuerleine leicht aus dem Wasser starten.     

 

Weitere Ausrüstung

  • Trapez

Abgesehen von den eben beschriebenen drei Hauptausrüstungsgegenständen ist das Trapez das wichtigste Zubehör. Durch die enormen Zugkräfte kann ein Kite ohne Trapez nicht lange gehalten werden. Selbiges schnallt man sich um die Hüfte und hängt an einem daran befestigten Metallhaken den Chickenloop der Bar ein. Generell wird ein Hüft- von einem Sitz-Trapez unterschieden. 

 

  • Hüfttrapez

Der Vorteil des Hüfttrapezes liegt darin, dass es dem Kiter größtmögliche Bewegungsfreiheit einräumt. Nachteil ist, dass es leicht verrutschen kann  und damit den Tragekomfort erheblich beeinträchtigen kann.

 

  • Sitztrapez

Dieses ist auch bei hohen Zugkräften rutschfest, da es durch die Beingurte fest am Becken justiert ist. Somit hat es einen besseren Tragekomfort und ist allen voran bei Einsteigern sehr beliebt.

 

  • Sitz-Hüfttrapez

Hierbei handelt es sich um eine Mischung beider Trapezarten. Auf gleicher Höhe wie ein Hüfttrapez ist es allerdings rutschfest durch Beingurte und eine kleine Sitzfläche fixiert.

 

  • Boardleash

Dies ist eine Leinenverbindung, die mit dem Trapez oder dem Fuß verbunden wird, um zu verhindern, dass das Board nach einem Sturz wegtreibt. Die Gefahr hierbei ist allerdings, im Falle eines Sturzes vom Board getroffen zu werden. Daher sollte eine Leash aus Verletzungsgründen nur mit Helm und Prallschutzweste getragen werden. Viele Kiter verzichten auf eine Leash, da ein wegtreibendes Brett oftmals schwimmend oder mit einem einhändigen Bodydrag nach Luv erreicht werden kann.

 

  • Helm

Zur Minimierung von Kopfverletzungen bei Stürzen oder ein durch eine Boardleash zurückschleuderndes Board  wird angeraten, einen Helm zu tragen. Dieser sollte allerdings speziell zum Kitesurfen entwickelt worden sein.  

 

  • Prallschutzweste

Sie reduziert einerseits erheblich Verletzungsrisiken beim Aufprall auf das Wasser, andererseits erleichtert sie längere Schwimmeinlagen durch ihren großen Auftrieb, der nahezu an den von Rettungswesten heranreicht. Ferner schützen sie auch durch Polsterung und Einlagen den Brustkorb und die Wirbelsäule.  

 

  • Schuhe

In Stehrevieren zum Schutz vor Schnittverletzungen und bei längeren Fahrten zum Temperieren der Füße.

 

  • Sonnenbrille

Vor allem zum Schutz vor greller Sonne, wenn der Kite beobachtet wird oder vor „Verblitzung“ durch die spiegelnde Wasseroberfläche. 

 

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Manöver

 

Starten

 

  • Strandstart

Ein Starthelfer hält normalerweise beim Tubekite den Schirm am Windfensterrand, sodass der Kiter den Schirm gefahrlos in den Zenit fliegen kann. Als Alternative kann man den Schirm an einer umgeschlagenen Ecke mit Sand bzw. Sandsäcken am Boden halten. Beim Start werden die Sandsäcke durch Zug an den entsprechenden Leinen abgeworfen.

 

  • Wasserstart

Liegt der Kiter nach einer Wasserlandung mit dem Frontschlauch auf dem Wasser auf, muss er zunächst den Kite durch Be- und Entlasten der Frontleinen auf den Rücken, d.h. die Schirmoberseite legen. Durch Steuerbewegungen – normalerweise an einer der Steuerleinen – muss der Schirm sodann langsam aus der Leistungszone zum Windfensterrand bewegt werden. Dort kann der Schirm wieder gestartet werden. Systeme mit einer fünften Leine am Frontschlauch vereinfachen den Wasserstart.

Alternativ ist ein Rückwärtsstart möglich, wenn der Schirm über spezielle Leinen verfügt, die über ein Umlenksystem oder direkt auf die Hinterkante des Schirms wirken.  Der Drachen steigt sodann rückwärts fliegend und kann nach kurzer Zeit bzw. einigen Metern Höhe durch eine 180ᵒ-Drehung wieder in die Vorwärtsbewegung gebracht werden.         

Bow-Kites haben die Haupttube bogenförmig nach hinten geschnitten, sodass der Schirm nicht mehr mit der gesamten Vorderkante auf Land oder Wasser aufliegt. Durch eine aufgefächerte Anlenkung der vorderen Leinen sind zusätzlich die Ohren vom Untergrund bzw. Wasser abgehoben. Beim Neustart kann sich ein solcher Schirm ohne direkt auf dem „Rücken“ zu liegen ans Windfenster bewegen und wieder hochsteigen.

Delta-Shape-Kites sind zurzeit die Kites mit den besten Wasserstarteigenschaften. Sobald sie auf dem Wasser liegen, treiben sie an den Windfensterrand und lassen sich durch Ziehen an der jeweiligen Steuerleine aus dem Wasser starten.

 

Steuern

Kurs und Geschwindigkeit werden über die Steuerung des Schirms und des Boards geregelt. Alle Kurse sind möglich, einzig gegen den Wind kann nicht direkt angefahren werden, sondern nur gekreuzt werden. Den Kurs zum Wind ermöglicht die Bar, die über Leinen den Schirm im Windfenster steuert. Will man eine Richtungsänderung vornehmen, wird die Seite der Bar, in die man fahren möchte langsam zum Körper hingezogen. Sodann bewegt sich der Kite entsprechend in diese. Will man eine Halse durchführen, wird der Kite behutsam über den Zenit in den anderen Teil des Windfensters bewegt. Wenden kann man sodann mit einem „Basic Jibe“, der „Trambahn-Halse“ oder dem sogenannten „Carved Jibe“. Im Falle der Trambahn-Halse steht der Kiter kurz bevor er in die andere Richtung weiterfährt. Bei der Carved Jibe fährt der Kiter einen Halbkreis nach Lee. Er bleibt nicht stehen sondern fährt in die andere Richtung weiter. Um dem Kite einen Widerstand zu bieten, muss der Kiter zusätzlich zu den Lenkbewegungen mit dem hinteren Fuß das Board belasten.  

Der normale Kurs ist der Halbwindkurs. Hier fährt der Kiter in etwa rechtwinklig zur Windrichtung. Besten Falls ist somit ein präzises geradeausfahren möglich. Lehnt der Kiter sich weiter nach vorne, fährt er auf Raumwindkurs und steuert nach Lee. Lehnt er sich – ausgehend vom Halbwindkurs – weiter nach hinten, fährt er auf Amwindkurs und steuert nach Luv.

 

Springen

Ein Kiter springt, indem er den Drachen in voller Fahrt über den Zenit in den anderen Windfensterrand bewegt und durch den Auftrieb des Kites schließlich in die Luft gehoben wird. Es lassen sich so große Sprünge – teils schon Flüge – vollbringen.

Wie auch beim Snowboarden, Skaten und ähnlichen Sportarten sind sowohl Flip- als auch Grab-Tricks und darüber hinaus One-Foots, Board-Offs, und aus dem Wakeboarden adaptierte Tricks wie Raileys möglich.

  • Flip-Tricks

Der Kiter kann sich einfach nach rechts oder links horizontal um die eigene Achse drehen (360 Flip) oder vertikal nach vorn oder hinten (Fronftlip, bzw. Backflip)

 

  • Grab-Tricks

Grabs bestehen aus verschiedenen Griffen am Brett. Man hält sich an einer Seite des Boards möglichst lange fest. Hier besteht eine Vielfalt an Grabs, da das Brett unzählige Möglichkeiten aufweist, es zu „grabben“.

Flip- und Grab Tricks lassen sich aber auch Verbinden, so dass Tricks wie „360 Melons“ oder „720 Tailgrabs“ möglich sind.

 

  • One-Foot-Trick

Der Kiter steigt mit einem Fuß aus der Bindung/Schlaufe aus und kombiniert dies mit einem Grab Trick (zur Kontrolle des Boards) und ggf. einem Flip Trick. Ein reiner One-Foot wird selten durchgeführt, da die Wahrscheinlichkeit, das Board in der Luft zu verlieren groß ist.

 

  • Board-Offs

Der Kiter steigt mit beiden Füßen aus der Bindung/den Schlaufen. Hier ist die Kombination mit einem Grab-Trick zwangsweise erforderlich, da man sonst das Board verlieren würde. Auch hier ist die Kombination mit einem Flip möglich.

 

  • Raileys

Eine besondere Sprungart stellen die Raileys dar, da bei diesen der Kiter nur noch mit der Safetyleash mit dem Kite verbunden ist (er fährt „unhooked“). Vor dem Absprung wird die Bar am Trapez ausgehängt, der Kiter streckt die Arme aus und bringt durch nach hinten abgeknickte Beine das Board auf, oder über Kopfhöhe. Zum Landen muss der Kiter Arme und Beine wieder anziehen. Nach der Landung wird die Bar wieder eingehakt.

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Kitesurfen lernen

 

Als Anfänger wendet man sich am besten an eine der zahlreichen stationären oder auch mobilen Kitesurfschulen, die in kleinen Gruppen Kurse anbieten. Ein Qualitätsversprechen im Rahmen der Kitesurfschulen bietet der Hinweis einer VDWS Mitgliedschaft (Verband der Wind Surf Schulen). Sie führen Schulungen nach festgelegten Richtlinien durch und stellen eine entsprechend verbindliche  Lizenz bei erfolgreichem Abschluss aus.  Diese ist in sieben Könnenstufen unterteilt. Für das Grundscheinniveau sind fünf Stufen sowie die erfolgreich abgelegte Theorieprüfung vonnöten. Der Besitz einer derartigen Lizenz ist an vielen Kitesurfrevieren Grundvoraussetzung, um dort überhaupt kiten zu können.  

Die sieben Levels der Könnenstufen: 

 

Kitesurf Level 1 :               Allgemeine Sicherheit, Startvorbereitung, Startübungen, erste Flugübungen, Bodydrag

Kitesurf Level 2 :              Bodydrag, Wasserstart des Kite

Kitesurf Level 3 :              Wasserstart, mindestens 50 gefahrene Meter

Kitesurf Theorie:               Fachbegriffe, Vorfahrtsregeln, Naturschutz, Gefahren erkennen

Kitesurf Level 4 :              Raumschot fahren, Steuern, Höhe halten, Basishalse

Kitesurf Level 5 :              Höhe gewinnen

Kitesurf Level 6 :              Basis Sprünge und Gleithalse oder Transition Jump

Kitesurf Level 7:               Rotationen oder Kiteloop, Grabs, One Foot, Board off oder Railey

 

international setzt sich mehr und mehr die IKO durch. Sie zertifiziert internationale Schulen und gibt Kiteboard-Lizenzen aus. Aber auch der WWS und die KSA bieten Standards an.

 

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Kite ABC

A  
Ablandiger Wind (Offshore): Der Wind weht vom Land Richtung Meer
Abströmkante: Die Hinterkante des Kites.
Airtime: Gleitflugdauer eines Sprungs. Diese beträgt normal 3 – 5 Sekunden
Anströmkante: Vorderkante/ Fronttube des Kites.
Aspect Ratio: Verhältnis zwischen Länge und Breite des Kites
Auflandiger Wind (Onshore): Der Wind weht vom Meer Richtung Land
   
B  
Bar: Die Lenkstange des Kiters (auch Controlbar genannt)
Beaufort: Skalierung der Windstärke, reicht von 0=Windstille bis 12=Orkan
Bidi: Ein Bi-directional Board, kann beide Richtungen gefahren werden
Bladder: Aufblasbarer Innenschlauch der Tube aus Latex o.ä. der die Luft hält
Boardleash: Verbindung zwischen Kiter und Board, vermeidet Boardverlut
Bodydrag: Man lässt sich auf dem Bauch liegend übers Wasser ziehen
Bowkite: Kite mit erhöhter Depower (Details siehe Kapitel Ausrüstung/Kite)
Bridles: Waageleine, die beim Bowkite an der Fronttube, beim Softkite übers ganze Profil verteilt befestigt ist.
   
C  
C-Kite: Klassischer Kite in C-Form (Details siehe Kapitel Ausrüstung/Kite)
Chickenloop: Ringförmiger Schlauch, der am Trapezhaken eingehakt wird
   
D  
Depower: Reduzierung der Zugkraft eines Kites
Delta-Kite: Kite mit nahezu vollständiger Depower (siehe Kapitel Ausrüstung/Kite
Directional: Board mit Bug und Heck. Zum Wenden ist ein Fußwechsel notwendig
   
F  
Flachwasser: Glatte Wasseroberfläche ohne Wellen
Frontlines: Oder Depower-Lines, werden beidseitig am jeweiligen Anknüpfpunkt der Fronttube bzw. an den Waageleinen befestigt
Fronttube: Bildet die vordere Anströmkante des Kites und wird über ein Ventil mit Luft befüllt.
Fünfte Leine: Sorgt für zusätzliche Stabilität und verbessert die Flugeigenschaft
   
   
   
   
H  
Halbwindkurs: Kurs quer (90°) zur bestehenden Windrichtung
High-End: Starkwindeigenschaften, d.h. wie verhält sich ein Kite in Bezug auf seine Größe bei starkem Wind
Höhe laufen: Richtung Luv gelangen
Höhe halten: Halbwindkurs fahren
Hybrid-Kite: Mischung aus C- und Bow-Kite
   
L  
Lee (Downwind): Die dem Wind abgewandte Seite(wo der Wind „hingeht“)
Low-End: Leichtwindeigenschaften eines Kites. Unterer Bereich der Windrange
Luv (Upwind) Die dem Wind zugewandte Seite (wo der Wind „herkommt“)
   
N  
New School: Repertoire an Tricks aus dem Wakeboarden, bei denen der Kite „unhooked“ gefahren wird
   
O  
Offshore: Siehe ablandiger Wind
Old School: Fahren und Springen, bei dem der Kiter eingehakt ist
Onshore: Siehe auflandiger Wind
   
P  
Powerzone: Bereich des Windfensters in dem der Kite am meisten Zug entwickelt
Prallschutzweste: Spezielle Weste, die zusätzlichen Auftrieb und Kälteschutz bietet
Projected-Area: Fläche des Kite-Tuches, die vom Wind angeströmt wird und damit aerodynamisch wirksam ist
PSI: Pounds per square inch: Die Luftdruck- Maßeinheit der gängigsten Kitepumpen mit Manometer. (1 PSI = 0,06895 Bar/ 1 Bar = 14,5 PSI )
Pumpleash: Elastische Leine an der Kitepumpe, die mit dem Kite verbunden wird.
   
Q  
Quertubes: Querschläuche des Tubekite, die mit der Fronttube verbunden sind
Quick-Release: Notausstieg beim Kiten
   
S  
Safety Leash: Elastische Leine, die Kite und Kitesurfer verbindet
Side-/ Sideon-/ Sideoffshore: Jeweilige Windrichtung – in Bezug zur Küste – schräg bzw. von der Seite
Softkite: Kite mit eingenähten Luftkammern im Profil, die sich bei Anströmung mit Luft befüllen
Softzone: Bereich zwischen Powerzone und Windfensterrand
Stall: Strömungsabriss, wenn zu wenig Wind über das Profil des Kites strömt und der Kite unkontrolliert aufs Wasser fällt
   
T  
Tail: Das in Fahrtrichtung hinten liegende Ende des Boards
Trapez: Hose oder Gurt mit eingearbeitetem Metallhaken
Transition: Richtungswechsel
Tubekite: Kites mit Schläuchen, die mittels Pumpe, über Ventile, mit Luft befüllt werden (Details siehe Kapitel Ausrüstung/Kite)
   
U  
Überpower: Zu starker Kitezug
Unterpower: Zuwenig Zug im Kite
   
V  
Vorwindkurs: Kurs bei dem man genau in Windrichtung, hinter dem Kite herfährt
   
W  
Wakestyle: Tricks, die ursprünglich aus dem Wakeboarden kommen und beim Kiten ausgeführt werden
Wasserstart: Durch den Powerdive lässt sich der Kiter aus dem Wasser ziehen und fährt an
Wave: Mischung aus Kitesurfen und Wellenreiten
Windfenster: Flugbereich des Kites
Windfensterrand: Randbereich des Windfensters. Hier entwickelt der Kite den geringsten Zug
Windrange: Windeinsatzbereich eines Kites, bedingt durch Fläche, Form und Anstellwinkel seines Profils
   
Z  
Zenit: Höchster Punkt (12 Uhr) am Windfensterrand

 

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Sicherheitsmaßnahmen

 

Die technische Entwicklung der Kites sowie ein zunehmendes Gefahrenbewusstsein machen zwar Kitesurfen sicherer, allerdings lassen sich einige Risiken wie bei jeder Wasser- und Flugsportart nicht vollständig reduzieren. Die häufigsten Unfallursachen liegen in der schlechten Ausbildung und Leichtsinnigkeit der Kitesurfer sowie Mängel bei der Ausrüstung.

Zur Vermeidung von Unfällen sollte man folgende Aspekte beachten – wichtig insbesondere für Anfänger:

 

Kitesurfrevier

  • Die Breite des Reviers sollte mindestens 90 m (ca. 3 Leinenlängen) sein und es sollte ein Notausstiegsplatz vorhanden sein. Ferner sollte man darauf achten, inwiefern vermeintliche Gefahren am Ufer (z.B. hohe Bäume, Hochspannungsmasten etc.) oder im Wasser (z.B. Strömungen, Riffe, Sandbänke etc.) existieren.

 

Wind & Wetter

  • Kiter sollten ihr eigenes Können nicht überschätzen und bei großen Windstärken kleinere Schirme verwenden, da die auf sie wirkenden Kräfte mit zunehmender Windstärke überproportional steigen.  So zieht beispielsweise eine Verdopplung der Windgeschwindigkeit eine Vervierfachung der Kräfte im Kite nach sich, wodurch fehlerhafte Lenkbewegungen folgenschwere Auswirkungen haben können.
  • Gefahren lauern bei stark auflandigem Wind, auf das Ufer gezogen zu werden, bei ablandigem Wind, zu weit ins Meer hinausgetrieben zu werden. Am besten eignet sich konstanter Wind, parallel zum Ufer (Sideshore) sowie leicht auflandiger Wind (Side-Onshore) mit etwa 3 – 8 Bft. (18 – 50 km/h oder 10 – 35 kn).
  • Bei Gewitter darf aufgrund Blitzschlaggefahr nicht gekitet werden.

 

Ausrüstung

  • Vor jedem Start sollte man die gesamte Ausrüstung auf Schäden und Abnutzungserscheinungen überprüfen.
  • Ein funktionierendes Notauslösesystem an der Bar (Quickrelease) und eine Safetyleash sollten immer vorhanden sein.
  • Es empfiehlt sich ausschließlich mit Helm und Prallschutzweste zu fahren, besonders dann, wenn man eine Board-Leash verwendet.

   

Verhaltensregeln

  • An Land sollten Kite und Board nie unbeobachtet bleiben und am besten mit Sand oder Sandsäcken gut gesichert sein.
  • Starts und Landungen sollten immer mit einem eingewiesenen Helfer erfolgen. Nach deutschem Recht haftet dieser bei einem Unfall während dieser beiden Phasen mit. 
  • Notsituationen wie das Trennen vom Schirm sollten gut trainiert sein, genauso wie Ausweichmanöver.
  • Starte, springe oder fahre nie über Personen, die sich im Flug- und Leinenradius des Kites befinden.
  • Fahre nur soweit ins Wasser, wie Du schwimmen kannst und kite nie alleine, sodass ggf. Deine Begleitperson im Notfall Hilfe organisieren kann.  
  • Beachte Vorfahrtsregeln
    • Regeln für Kitesurfern gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern
      Küstengewässer: Kitesurfer haben grundsätzlich Schwimmern, Seglern und auch Motorfahrzeugen Vorfahrt zu gewähren
      Binnengewässer: Segelfahrzeuge (also auch Kitesurfer) haben Vorfahrt vor Motorfahrzeugen (Ausnahme Linienschiffe über 20 m Länge – z.B. Gardasee). Unter den Segelfahrzeugen wiederum haben Segelboote Vorfahrt vor Kitesurfern.
       
  • Regeln für Kitesurfer gegenüber Kitesurfern
    Hierbei gelten die allgemeinen Vorfahrtsregeln für Segelfahrzeuge:

    Backbordbug vor Steuerbordbug
    Kitesurfer die Ihr Segel auf der Backbordseite des Boards fahren haben Vorfahrt und müssen den Kurs halten.

    Lee vor Luv
    Bei gleichem Bug kommt die Regel "Lee vor Luv" zur Anwendung, d.h. der Surfer auf der windabgewandten Seite hat Vorfahrt - der Surfer, der sich höher am Wind befindet, weicht aus.
     
  • Ergänzende Regeln in der Welle
    Wer gegen die Welle kitet hat Vorfahrt gegenüber demjenigen, der mit der Welle kitet , egal bei welcher Windrichtung.

    Wer zuerst kommt, dem gehört die Welle! Teilen sich mehrere Kiter eine Welle, so hat derjenige Vorfahrt, der am dichtesten zur brechenden Lippe kitet.

    Muskelkraft vor Segelkraft - das gilt insbesondere in der Welle! Wellenreiter oder Bodyboarder haben immer Vorfahrt.